
Die VAR-Technologie (Video Assistant Referee) wurde entwickelt, um Schiedsrichter in entscheidenden Spielmomenten zu unterstützen und ergebnisrelevante Fehler zu reduzieren. Gleichzeitig sorgt sie für Diskussionen – manche befürchten, dass sie das Spielgeschehen stört, andere weisen auf die anhaltenden subjektiven Interpretationen hin. Daher lohnt es sich zu untersuchen, wie VAR funktioniert, welche Vor- und Nachteile er bietet und ob seine Präsenz letztlich mehr Vorteile als Nachteile mit sich bringt.
Was genau bedeutet VAR-Unterstützung für Schiedsrichter?
Das VAR-System unterstützt Schiedsrichter, indem es Schlüsselmomente im Spiel mithilfe mehrerer Kameras und Wiederholungen analysiert. So werden Fehler vermieden, die das Spielergebnis beeinflussen könnten.
Zu den wichtigsten Anwendungsgebieten des VAR gehören:
- Analyse von Torsituationen (z. B. Abseits, Foul während der Toraktion),
- Beurteilung von Elfmetern,
- Entscheidung über direkte Rote Karten,
- Korrektur falscher Spieleridentitäten bei der Vergabe einer Karte.
Das System funktioniert nach dem Prinzip des „klaren und offensichtlichen Fehlers“ – erst dann kann eingegriffen werden.
Warum kann VAR dem Fußball nützen?
Gesündere Entscheidungen: VAR ermöglicht die Korrektur von Entscheidungen, die aufgrund der eingeschränkten Sicht des Schiedsrichters oder der Assistenten ansonsten falsch wären. Dazu gehören Abseitssituationen, aus einer Perspektive verdeckte Fouls und Kartenfehler.
Weniger Kontroversen: Wenn Entscheidungen auf visuellen Beweisen aus mehreren Blickwinkeln basieren, ist es schwieriger zu behaupten, das Spielergebnis sei durch einen Schiedsrichterfehler verfälscht worden.
Gesündere Spielerdisziplin: Spieler wissen, dass ihre Aktionen – auch scheinbar subtile – später von Kameras überprüft werden können.
Stärkeres Vertrauen bei Fans und Mannschaften: Wenn das System gut funktioniert, besteht ein stärkeres Gefühl, dass das Spielergebnis den tatsächlichen Verlauf der Ereignisse widerspiegelt, und Schiedsrichterentscheidungen sind weniger willkürlich.
Wie beeinträchtigt VAR den Fußball?
Störung des Spielflusses: Wiederholungspausen können langwierig sein und den Spielfluss unterbrechen. Für Fans im Stadion und vor den Fernsehern kann das Warten frustrierend sein.
Subjektivität bei der Regelauslegung: Selbst bei Wiederholungen müssen Schiedsrichter entscheiden, ob ein Foul, ein Handspiel oder eine Rote Karte vorliegt. Unterschiedliche Ligen, unterschiedliche Schiedsrichter – das führt zu inkonsistenten Entscheidungen.
Kosten und Infrastruktur: VAR erfordert mehrere Kameras, moderne Ausrüstung, einen eigenen Videoanalyseraum, gut ausgebildete Mitarbeiter und VAR-Schiedsrichter. In unteren Ligen oder Ländern mit begrenzten Mitteln kann dies eine erhebliche Herausforderung darstellen.
Psychische Auswirkungen und Ungleichheiten: Das System kann das Spiel der Spieler beeinflussen – beispielsweise können Spieler Angst vor bestimmten Tacklings haben. Zudem verfügen Mannschaften auf niedrigerem Niveau möglicherweise nicht über die gleiche Qualität der Videoübertragung, was VAR erschwert oder weniger effektiv macht.
VAR bietet erhebliche Vorteile: Es reduziert Fehler, erhöht die Fairness und verbessert die Disziplin. Es hat jedoch auch Nachteile wie Spielunterbrechungen, Kosten und subjektive Interpretationen. Dennoch bietet seine Präsenz in gut organisierten Ligen mehr Vorteile als Nachteile. Entscheidend bleibt jedoch die schnelle und konsequente Anwendung der Regeln, damit die Technologie den Fußball unterstützt und ihm nicht seine Dynamik nimmt.
Adam Wagner
